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AUTOWASCHSTRASSE - SUNDHEIMER FORT - KEHL

Baujahr: 2017 Architekt: DR. WILHELM, VIKTOR Ort: Kehl
AUTOWASCHSTRASSE – SUNDHEIMER FORT - KEHL V. Wilhelm Zusammenfassung Im Gewerbegebiet der Stadt Kehl wurde neuerdings ein Hängedach auf mechanische Bäume gestreckt. Von der Revitalisierung der Gewerbegebiete profitieren nicht nur die Stadt, sondern auch die umliegenden Gebiete. Welches Potential in dieser Bauaufgabe steckt, zeigt die neue Platzüberdachung an einer Waschanlage in Kehl-Sundheim. 1. Einleitung Gewerbegebiete und Innenstadt – zwischen der Wahrnehmung dieser beiden Begriffe liegen Welten. Die architektonisch vernachlässigten Stadträume in Gewerbegebieten geben den Entwerfenden eine Chance, diese mit neuem Empfinden zu verbinden. Ob dies den am Bau Beteiligten gelungen ist, kann anhand der neuen Überdachung der Saugerplätze überprüft werden. Aus der Sicht des Entwerfers war es unabdingbar, zugleich auch die Unterkonstruktion der Saugeranlage selbst mit zu entwerfen und zu konstruieren. Es wird behauptet, dass in diese Anlage, Kinder gar gerne von ihren Müttern zum Thema Staubsaugen mitgenommen werden. Sie sehen in der Saugerunterkonstruktion eine „Krake“. In dunkler Tageszeit wird das Hängedach permanent blau ausgeleuchtet, was auch der Grund dafür ist, dass die Überdachung als Wasserwelle bezeichnet wird („Waschanlage – 9m- Ozeanwelle“). 2. Hängedachstruktur Beim abgebildeten Hängedach in Kehl wurde im Hinblick auf die Zuschnittskosten der ETFE-Folienkissen die Geometrie eines Sechsecknetzes gewählt. Die gesamte Dachnetzstruktur wurde aus einem Typ von Rohrstabelementen mit unterschiedlichen Wandstärken zusammengesetzt. Die „steifen Seile“ bzw. die Netzelemente weisen einen Rohrquerschnitt von Ø168.3x5.0 mm bis 12.5 mm, S355 auf. Der Stahlverbrauch für die statisch relevanten Elemente beträgt pro m² des Netzes 22 kg. Das Hängedach ruht auf 6 baumartigen Auflagerungen und weist eine maximale Stützweite von 16.1 m auf. Die Systemhöhe des Dachnetzes liegt am höchsten Punkt bei ca. 9.0 m. Was den Korrosionsschutz betrifft, so wurde von Anfang an eine Feuerverzinkung aller Elemente als Endbeschichtung geplant. 3. Knotenformfindung in Bezug auf die künftige Feuerverzinkung Es ist bekannt, dass die Farbe der Feuerverzinkung in Abhängigkeit des Siliziumgehalts im Stahl sowie von der Materialstärke unterschiedlich ausfallen kann. Um der Qualität der Feuerverzinkung entgegenzukommen wurde auf Gussknoten verzichtet. Stattdessen wurden die Knoten aus Zylinder, Torus und Konus zusammengesetzt – vermutlich zum ersten Mal. Bei dieser neuartigen Fügung der Verzweigungspunkte konnte dem Erscheinungsbild eines Baumes ästhetisch näher gerückt werden. Die Gabelungen sehen natürlich und selbstverständlich aus. Rechnerisch gesehen handelt es sich bei diesen „Verästelungsknoten“ um Schalen. 4. Planung der Toleranzenaufnahme im Sprengwerk gerecht der künftigen Feuerverzinkung Auch wenn das Ergebnis ein plastisches, hängendes und nachgiebiges Dach ist, musste bei der Planung den Fertigungs- und Montagetoleranzen ein würdiger Zoll gezahlt werden, um die gewünschte Dachgeometrie im Endzustand zu erreichen. Die gesamte Struktur wurde so durchgeplant, dass alle Elemente mit einer Feuerverzinkung vor Korrosion geschützt sind. Vor Ort wurden diese Elemente mittels nicht sichtbarer Schraubverbindungen in Kombination mit Kopfplatten zusammengefügt. Um die Feuerverzinkung durchführen zu können, sind in Hohlkörpern bekanntlich Bohrungen vorzusehen. Es wurde eine Hilfsvorrichtung entwickelt, welche im Montagefall genau an diesen Zinkbohrungen angesetzt wurde. Es wurde eine normalkraftgelenkartige Durchbildung des Sprengwerkes der Abstützungen mit einem Durchmesser von Ø76.1x5.0 mm, S355 vorgenommen. Mit Hilfe von Montagevorrichtungen konnte auf der Baustelle die Soll-Geometrie fein einjustiert werden. Nach der Fixierung der Soll-Geometrie durch einen bauaufsichtlich allgemein zugelassenen Verguss der Spielräume wurden die Montagevorrichtungen von den Zinkbohrungen gelöst. Für die nicht sichtbaren Schraubverbindungen der Kopfplattenstöße der Netzelemente wurden Montageöffnungen an der Seite der Rinne eingeplant. Nach der Vorspannung der Schraubverbindungen wurden die Montageöffnungen von der Rinnenseite geschlossen und mit Kemperol abgedichtet. Neben den Luftversorgungsleitungen wurde in der Rinne auch die Verkabelung für die Ausleuchtung verlegt. Für Wartungszwecke und den Vogelschutz sind die üblichen Sekuranten und Gitterroste vorgesehen. 5. Schlussbemerkungen Das Hängedach aus steifen Wanten ist besonders geeignet für relativ kurze Spannweiten bei niedrigen ständig wirkenden und hohen veränderlichen Belastungen. Wie die Abbildungen zeigen, liegt der Vorteil eines Hängedaches aus steifen Wanten in Die Inbetriebnahme des hängenden Daches erfolgte am 14. Juli 2017. An diesem Tag haben die französischen Nachbarn der Stadt Kehl ihren Nationalfeiertag. Die Ausleuchtung des Daches wurde gewählt, um diesen Anlass zu würdigen.

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