Suche

ZOB Pforzheim

Baujahr: 2015 Architekt: METARAUM Architekten BDA Ort: 75175 Pforzheim

Überdachungsbauwerk für den Zentralen Omnibusbahnhof

Der Neubau des ZOB Pforzheim ist Teil einer großen infrastrukturellen Entwicklungs-maßnahme und soll neben der Verbesserung der verkehrlichen Verhältnisse einen bedeutsamen städtebaulich-architektonischen Beitrag zur Aufwertung des bisher vernachlässigten Gesamtbereiches leisten. Der ZOB fasst die bisher über das Stadtgebiet verstreuten Busbahnhöfe zentral im Herzen der Stadt zusammen und bildet damit eine der größten Anlagen Süddeutschlands mit 30 Haltestellen und mehr als 1.700 Abfahrten pro Tag.

 ... zum Städtebau
Drei Überlegungen prägen das räumliche Konzept: Die Wiederherstellung eines seit der Zerstörung 1945 vakanten Raums, die Integration eines großen infrastrukturellen Bauwerks in den städtischen Kontext und last not least ein Design, welches den Stellenwert des ÖPNV als Verkehrsmittel der Zukunft angemessen darstellt. Anstatt einer monotonen Reihung überdachter Steige, sollte ein Stadtraum als echter "Ort" mit hohem Wiederkennungswert entstehen und die unwirtliche, vakante Fläche zwischen Bahnhof und Überführung als neue Drehscheibe für moderne Mobilität in einen qualitätvollen urbanen Raum umgestaltet werden.

In angemessenem Abstand zum Hauptbahnhof gelegen, zeigt sich der ZOB als Ergänzung des historischen Gebäudes - ein prägnantes urbanes Merkzeichen, welches dem Raum östlich des Bahnhofgebäudes neue Gestalt gibt. Die Unterteilung der Dachfläche in drei Segmente ordnet den ZOB dem Maßstab des Hauptbahnhofs unter und erhält dessen optische Dominanz und Stellenwert im Stadtgefüge - darüber hinaus lässt die Teilung spannende Durchblicke und Bezüge zu den Stadtteilen nördlich der Bahnlinie zu.

... zum Konzept der Überdachung
Die Formensprache des historischen Bahnhofgebäudes aus den Fünfzigerjahren wird durch ein Design unserer Zeit ergänzt: Die geschwungenen Ränder der Dachsegmente sind aus den typischen Radien und Schleifen von Fahrzeugbewegungen abgeleitet - der ZOB zeigt sich als dynamischer Bestandteil des Verkehrs am Ort. Öffnungen über den Fahrspuren bringen Licht und Sonne auf die Bussteige, strukturieren die Untersichten und schaffen durch wechselndes Schattenspiel und immer wieder neue, interessante Perspektiven und Blickwinkel ein interessantes Raumerlebnis. Nach Norden schwingen die Dächer zur Bussteigebene hin ab und bilden eine räumliche Fassung zu dem nördlich direkt anschließenden Gleisfeldern des Hauptbahnhofs.

... zur Detailausbildung
Um im heterogen gewucherten Bahnhofsumfeld, im Gewirr aus Masten, Leitungen, technischer Serviceinfrastruktur und Signalzeichen die Ablesbarkeit der "Großform" zu stärken sind die sichtbaren Details auf wenige, kraftvolle Elemente reduziert: Dachränder, Dehnfugen, Stützenköpfe, „Leuchtenblätter“ und Serviceinseln. Vor dem Hintergrund der ansonsten glatten, geschwungenen Untersicht leisten diese Elemente einen entscheidenden Beitrag zum Erscheinungsbild der Dachfläche.

 

 

Zurück

... zur Möblierung
Linear gereihte Stationen bilden eine kompakte Zusammenfassung der notwendigen ZOB-Funktionen wie z.B. Hinweisschilder, Zeitangabe, Fahrgastinformationssystem, Text-to-Speech-Einheiten für Sehbehinderte und Sitzgelegenheiten. Es sind kleine, leicht auffindbare Funktionsinseln statt verstreuter Einzelelemente. Damit ist optische Klarheit, Orientierung, Überblick und ein schnelles und sicheres Auffinden der Haltestellen gewährleistet. Ein durchgehendes Blindenleitsystem verbindet sämtliche Steige.

 ... zur Beleuchtung
Für die Integration dieses Bauwerks der Infrastruktur in das städtische Umfeld ist das Erscheinungsbild bei Dämmerung entscheidend. Die Qualität des Lichts dient nicht nur Präsentation des Objekts im öffentlichen Raum, sondern auch dazu, das Thema „Bahnhofsumfeld bei Nacht“ positiv zu besetzen, als beleuchteten, echten Stadtraum erfahrbar zu machen und einer nächtlichen "Verödung" des Areals entgegenzuwirken.

Dazu ergänzen sich drei Lichtsysteme: Effektbeleuchtung, indirektes und direktes Licht. Der gezielte Einsatz unterschiedlicher Lichtfarben schafft Kontraste und erhöht die Aufenthaltsqualität.  Eine der Dachkontur folgende  Lichtlinie ist integraler Bestandteil der Architektur und unterstreicht die Dynamik der Form in der Dämmerung. Durch „Leuchtenblätter“ an den Stützenköpfen wird die Dachuntersicht mit neutralweißem Licht hell erleuchtet. In die Deckenfläche eingebaute Einheiten sorgen für eine gerichtete Ausleuchtung der Bussteige. LEDs, integriert in die Handläufe, ergänzen die Beleuchtung der Treppenabgänge und unterstützen Orientierung und Sicherheit. Dachflächen, Stützen, Bodenbeläge, Ausstattung und Beleuchtungskonzept bilden so ein architektonisches Ganzes.

 ... zum Tragwerk
Das Tragwerk in Stahlbauweise besteht aus den Hauptelementen Stütze und Trägerrost. Die Roste falten sich im Übergang zum Bahngleisbereich nach unten. Die Positionierung der Stützen ist abgestimmt auf Verkehrsplanung und Nutzung der Flächen unter der Überdachung. Die Stützen bestehen aus gewalzten Rundrohrprofilen. Die Fußpunkte sind in beiden Richtungen gelenkig ausgebildet. Durch angeschweißte Laschen werden die Stützen biegesteif an den Schnittpunkten der Trägerscharen an den Rost des Dachs angeschlossen, Träger und Stützen bilden dadurch Mehrfeldrahmen in beide Richtungen. Die Aussteifung des Tragwerks erfolgt über die Rahmen. Temperaturbewegungen können über die Nachgiebigkeit der „biegeweichen“ Stützen und über Fußpunktverdrehung aufgenommen werden. Die innere, raumbildende Beplankung des Tragwerks wird durch beweglich abgehängte zementgebundene Putzträgerplatten gebildet. Die „Grafik“ der notwendigen Dehnfugen unterstreicht die dynamische Anmutung der Dachschale als Hinweis auf die geometrische Herleitung der Form.

 ... zur Entwässerung
Die Dachfläche wird über sämtliche Stützen entwässert. Dies bildet kleine Entwässerungsflächen, der Aufbau für das erforderliche Gefälle bleibt gering.