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Bad Hayna

Baujahr: Nicht bekannt Architekt: Chris Soltysiak Ort: Hayna

Bis Ende des 20. Jahrhunderts prägte der Tabakanbau und die damit verknüpfte Industrie das ökonomische Umfeld und daraus resultierend das charakteristische Ortsbild der Gemeinde Hayna mit seinen 971 Einwohnern. Der Ort – als Straßendorf entwickelt – wird bis heute über seine ca. 100 Tabakschuppen geprägt. Doch diese einzigartige geschichtliche Charakteristik droht verloren zu gehen, bedingt durch wirtschaftlichen Wandel und nicht vorhandener Umnutzungskonzepte dieser Agrardenkmäler. Mit dem Bad Hayna soll eine neuartige Funktion in den historischen Tabakschuppen untergebracht werden, um so auch das enorme Potential aufzuzeigen, welches in der sehr offenen und anpassungsfähigen Agrararchitektur steckt. Für die Umnutzung werden dreiviertel des neueren, hinteren Schuppens, welcher orthogonal zur Straße steht, entfernt und neue nach innen gerichtete Räumlichkeiten, die den Kernbereich des Badens aufnehmen eingesetzt. Der straßenzugewandte ältere Schuppen beherbergt Empfang, Umkleideräume und einige Nebennutzungen. Am Abschluss des neu implantierten introvertierten Badbereichs befindet sich im unveränderten Viertel des hinteren Schuppens ein Freiluftbecken. Das Badeerlebnis folgt einer vorgegebenen Dramaturgie und Abfolge, die mit der Reinigung des Körpers in der Regenhalle beginnt und von dort in das Blütenbad führt. Darauf folgt das Schwitzbad als Vorbereitung auf das Klang- und Feuerbad. Dieser Raum verfügt durch seine Höhe über eine charakteristische Akustik und verstärkt, verändert und verfremdet die gewohnte Akustik. Als körperliche Abkühlung dient das Kaltbad und anschließend gelangt der Badegast in das Tabakbad, das komplett auf das Erleben der ursprünglichen Funktionen des Schuppens und dessen Geruchswelt ausgerichtet ist. Danach hat der Besucher die Möglichkeit zur Entspannung im zweiten Obergeschoss, im Ruheraum, wo auch der Duft des Blütenbads zu riechen ist, sowie in einem Klangraum, in dem die Geräusche des Klangbads für eine besondere Atmosphäre sorgen. Die Tabakschuppen sollen durch das Einbringen einer neuen Funktion und eines neuen Erlebnis aufgewertet und so in eine neue Ära der Baudenkmäler einläuten. Die Gestalt unterstützt diesen Anspruch und vermittelt zwischen älteren und neueren Teilen. Die monolithische Konstruktion besteht aus geschichtetem und schwarz pigmentierten Dämmbeton. Die charakteristische Oberflächenqualität wird durch ganz unterschiedliche, zum Teil regional vorhandene Zuschlagstoffe erreicht.

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