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SAAI // Schaulager Karlsruhe

Baujahr: Nicht bekannt Architekt: Philipp Staab Ort: Karlsruhe
Das Südwestdeutsche Archiv für Architektur- und Ingenieurbau SAAI ist spätestens seit Übernahme des Nachlasses von Frei Otto eine Institution von internationaler Relevanz. Auf dem Areal des ehemaligen Zeughauses soll eine neue Archivfläche im Sinne eines Schaulagers entstehen. Der Bauplatz befindet sich an der Schnittstelle zwischen dem KIT Campus Süd, mit seiner modernen und hohen Typologie, und einem der ältesten Stadtteile von Karlsruhe. Getrennt werden diese Zonen durch die Kaiserstraße, welche eine der Hauptachsen der Karlsruher Innenstadt darstellt. Somit ist das Ensemble also beidseitig stark frequentiert, bisher aber kaum integriert, da es sich zu allen Seiten verschließt. Der Projekt zielt zunächst auf die städtebauliche Integration des Ensembles ab, ohne dieses in seinem Wesen zu verletzen. Das geschieht auf typologischer Ebene durch Dachaufbauten für drei der fünf Gebäude, welche dem Areal eine neue Präsenz verleihen, in Höhe und Dimension vermitteln und gleichzeitig durch ihre weitgehend fensterlosen Fassaden die Hauptnutzung des Archives als Lager zeigen. Das offene Erdgeschoss im Zeughaus dient als Filter und Öffnung zum Campus, während die unangetasteten Gebäude an der Kaiserstraße die historische Erscheinung zu dieser hin wahren. Jedoch wird die trennende Grenzmauer entfernt, so dass sich der Hof gänzlich der Straße öffnet. Das zentrale Zeughaus als Hauptgebäude im Ensemble enthält die öffentlichkeitswirksamen Funktionen der Ausstellung und des Modellarchivs. Der kleinere Fußabdruck der Seitengebäude erzeugt einen entsprechend kleineren Aufbau, weshalb sich hier die kompakteren Planarchive und Bibliotheken befinden. In den Bestandszonen sind Verwaltung und Forschung angesiedelt. Die straßenseitigen Gebäude dienen als Entrée und enthalten deshalb im Erdgeschoss ein Café bzw Räumlichkeiten für Sonderausstellungen. In den Obergeschossen sind Konferenzflächen. Der erhaltene Bestand bekommt, wie schon im historischen Zustand, seine einheitliche Putzfassade zurück. Das Zeughaus, das über die Jahre viele Umbauten erfahren hat und kein schützenswertes Interieur besitzt, wird vollständig entkernt. In weitgehend erhaltenen Seitengebäude hingegen werden die Eingriffe so klein wie möglich gehalten. Beton ist wegen seiner konstruktiven Eigenschaften und seiner vielfältigen Erscheinung das ideale Material für den Eingriff. Die Kerne (2) als Stützpfeiler, strukturell und funktional, enthalten alle dienenden und vertikalen Funktionen. Ihre Oberfläche ist ein repräsentativ hochwertiger Sichtbeton, der gleichzeitig nicht über die konstruktive Rolle der Struktur hinwegtäuscht. Im Herzstück, der Blackbox, die zwischen den Kerne spannt, ist der Beton ebenfalls sichtbar, jedoch werden keine weiteren Anforderungen an dessen Oberfläche gestellt, um die pragmatische Funktion als Lager zu stützen. Die Bearbeitung der polierten Außenhaut spannt die Brücke zwischen Zweckbau und repräsentativem Gebäude und verleiht dem Aufbau eine edle Erscheinung. Spiegelungen im Beton treten verstärkt bei flacherem Blickwinkeln auf. Die Neigung der Fassade und die polierte Oberfläche unterstützen diesen Effekt, was je nach Standort für eine Spiegelung des Himmels sorgt. Dies verhilft dem Gebäude die Massivität der Typologie zu relativieren, ohne dabei über den Maßstab hinweg zu täuschen.

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