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Neubau Synagoge Rottweil

Baujahr: 2017 Architekt: ARGE anno11 Architekturprojekte, Tobias Thiel, Konstanz / Christof Birkel, Rottweil Ort: 78628 Rottweil
Die lange Suche nach einem Bauplatz für eine neue Synagoge hat die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden an einen Ort unweit der Rottweiler Stadtmauer geführt. Im städtischen Kontext wurde ein Gebäude entwickelt, dass sich aus der aktiven Auseinandersetzung mit der jüdischen Kultur entwickelt. Das neue Gebäude versucht eine Übereinkunft zwischen dem sich Öffnen einerseits und dem Wunsch nach notwendigem Schutz andererseits herzustellen. Die Nutzungen Glauben, Feiern, Gemeindeleben, Verwaltung und Wohnen für den Rabbiner wurden unter einem “Zelt“ vereint. Das Stiftszelt (Mischkan) diente in Zeiten der Wüstenwanderung als Tempel zur Feier des jüdischen Gottesdienstes. Die Gebäudestellung gliedert den Bauplatz für die notwendigen öffentlichen, halböffentlichen und privaten Funktionen. Die Auseinandersetzung mit dem städtischen Ort, mit Spital gegenüber, Einkaufszentrum auf der Ostseite und dem schützenden begrünten Hang an der West- und Nordseite - bestärkt das Konzept zur Entwicklung eines kompakten Solitärs. Die Positionierung und Form der Kubatur stellt die Bereiche Vorplatz, halböffentlicher und privater Garten her. Der sich zur Stadt weit öffnende Eingangsbereich löst die oben angedeutete Gratwanderung zwischen Öffnung und Schutz durch in zwei Reihen geführte Vorhangebenen mit zwischenliegender Beleuchtung. Diese steuern zu Tages- und Nachtzeiten unterschiedliche Intensitäten des Einblicks, ohne das Gebäude jemals als vernagelt erscheinen zu lassen. Das Zelt, bzw. die Zeltform entwickelt sich aus dem Zusammenschieben, der drei Bereiche einer Synagoge, die typischer Weise unter einem Dach vereint sind: - Synagogenraum - Kiddush-Saal (Gemeindesaal) - dienende Räume (Küchen, Verwaltung, Räume für Kinder, Senioren und Rabbinerwohnung) Dadurch entsteht ein kraftvolles und dynamisches Raumgefüge in dem sich das lebhafte, gesellige und temperamentvolle Gemeindeleben der jüdischen Kultur wiederfindet. Auch bei der Auswahl der Materialien wurde versucht Übereinkünfte herzustellen. Die Materialien der Heimat dienen als Vorbild für die Verwendung regionaler Baustoffe und Produkte. Der für das Gewand des „Zelthülle” verarbeitete Gauinger Travertin entspricht in fast identischer Art dem Stein der Jerusalemer Klagemauer, wurde jedoch nur unweit von Rottweil abgebaut. Die Konzeption versucht Brückenschläge herzustellen. Unter Berücksichtigung von religiösen und alltäglichen Kriterien, mit Würde und Werten ohne je zu übertreiben.

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