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Sanierung der Schaugewächshäuser, Botanischer Garten Karlsruhe

Baujahr: 2018 Architekt: Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Karlsruhe | ruser und partner mbb | Helleckes Landschaftsarchitektur Ort: Karlsruhe
Projekt: Botanischer Garten Karlsruhe, Sanierung Schaugewächshäuser Bauherr: Vermögen und Bau BW, Amt Karlsruhe Staatliche Schlösser und Gärten BW Denkmalkonzept: Prof. Dr. Hartmut Troll Gebäude: architekturbüro ruser+partner mbb Innenanlage: helleckes landschaftsarchitektur Bauzeit: 2014 – 2018 Historischer Kontext Der Botanische Garten in Karlsruhe bildet als Gesamtanlage mit Orangerie und Staatlicher Kunsthalle die grüne Oase im Herzen der Stadt Karlsruhe. In seiner ersten Form mit Schloss und Schlossgarten besteht er bereits seit der Stadtgründung Anfang des 18. Jahrhunderts. Auf dem Gelände des Botanischen Gartens stehen die von Heinrich Hübsch ab 1853 erbauten Glashäuser in der Tradition der höfischen Gewächshauskultur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das historische Ensemble am nördlichen Rand der Parkanlage besteht aus drei Schaugewächshäusern, dem östlich daran anschließenden Torbogengebäude sowie dem halbkreisförmig verlaufenden Hirschgang und dem vorgelagerten sog. Italienischen Garten mit seiner markanten Metallkonstruktion. Westlich sind die Schaugewächshäuser durch das sog. Hofgärtnerhaus mit der heute von der Kunsthalle Karlsruhe genutzten Orangerie verbunden. Die im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Anlage wurde in den 1950er Jahren mit einfachen Mitteln wiederaufgebaut und zur Bundesgartenschau 1967 nochmals verändert. In den letzten Jahren kam es zu statischen Problemen an der Konstruktion, was der Eigentümer des Botanischen Gartens, das Land Baden-Württemberg, zum Anlass nahm, eine groß angelegte Sanierung der Glashäuser durchzuführen. Baubeschreibung Die Schaugewächshäuser bestehen im Wesentlichen aus drei Baukörpern: einem höheren Zentralbau (Palmenhaus) sowie zwei seitlich anschließenden flacheren Gebäuden, die sich mit ihrer stählernen Konstruktion an eine massive Schildwand im Norden anlehnen (Kalthaus und Tropenhaus) und in denen ausgewählte Pflanzen unterschiedlicher Vegetationszonen präsentiert werden. Sanierung Anhand alter Quellen aus dem Generallandesarchiv und erhaltener Originalpläne war es möglich, die Schaugewächshäuser wieder in ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild zur Zeit der ersten Stahlkonstruktion herzustellen. Dabei galt es insbesondere die Vorgaben der Denkmalpflege umzusetzen. Hierzu wurde die aufwendig sanierte Glasfassade nach historischem Vorbild gerundet ausgebildet, während die statisch ertüchtigte Stahlkonstruktion die ursprüngliche Raumwirksamkeit und klare Formensprache der organisch geschwungenen Flusseisenträger wieder ablesbar macht. Zudem wurden historische Brunnenfunde und die vorhandene Skulpturenausstattung an der Außenfassade komplett restauriert, die Natursteinwände saniert und die außenliegende Verschattung der Pultdächer aus Holzlamellen erneuert. Innenanlage Im Rahmen der Umbaumaßnahmen konnte auch das Innere der Gewächshäuser in Anlehnung an die bauzeitliche Nutzung und Gestaltung neu interpretiert. Nachdem der Eingang wieder auf die Seite des Kalthauses verlegt wurde, entspricht der Rundgang durch die Schauräume erneut der historischen Lösung, die den Gang vom Trockenen ins Feuchte und vom Kühlen ins Warme vorsah. Auch die während des Wiederaufbaus verloren gegangene Besonderheit der Schauräume ist wieder ablesbar. Im Entwurf steht der Übergang vom streng Gegliederten zum organisch Geschwungenen für die bauhistorischen Strömungen in der Gartenkunst im 19. Jhdt. Historische Brunnenfunde und die vorhandene Skulpturenausstattung wurden im Rahmen der Gestaltung neu in Wert gesetzt. Das Pflanzeninventar orientiert sich an Beschreibungen aus überlieferten historischen Quellen. In dem ursprünglich als Kamelien- und Blumenhaus konzipierten und bis zum Umbau als Kakteenhaus genutzten Glashaus wurde die historische Kübelkultur wieder aufgenommen. Im Palmenhaus hat man die Raumvertikale und der wintergartenartige Charakter herausgearbeitet. Die Anordnung der Pflanzflächen und die neue Verortung des Viktoria-regia-Beckens unterstreichen die Symmetrie der Gesamtanlage. Ein geschwungenes Wegesystem unterstützt die dichte tropische Atmosphäre. Die Gesamtkomposition zeigt neben inszenierten Brunnen, Statuen und Epiphyten viele Nutzpflanzen, die schon im 19. Jahrhundert ausgestellt wurden. Seit Frühjahr 2018 präsentieren sich die drei historischen Schaugewächshäuser des Botanischen Gartens in Karlsruhe sich und ihre Pflanzen den Besuchern wieder näher an der Originalgestaltung des 19. Jhdts.

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