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Parasit

Baujahr: 2017 Architekt: Dipl.-Ing. Gerda Schmidt Ort: Konstanz
Dachaufbau auf Bestandsgebäude „PARASIT“ Ein Dachaufbau der besonderen Art“ . . . dies war nicht die ursprüngliche Aufgabe dieses Projekts! Ein modernes Haus mit Hanglage und Blick über den Bodensee bis zu den Schweizer Bergen - auf einem schmalen Grundstück mit direktem Seezugang - so die Ausgangssitutaion. Bekannt war, dass ein kleiner Bereich des Flachdachs für eine Überbauung zu Verfügung stand - in gleicher Bauweise war dies baurechtlich jedoch nicht möglich, da Abstandflächen und Traufhöhe das Vorhaben extrem einschränkten. Statik und das Lüftungs- und Belichtungskonzept des Hauptgebäudes waren dankbar für eine eigenständige, auf das Haupthaus nur punktuell aufgesetzte, losgelöste Tragkonstruktion des neuen Baukörpers. Die baurechtlich verfügbaren Quadratmeter für den Dachaufbau waren so gering, dass eine interne Verbindung von Dachaufbau und Haupthaus aus Platzgründen verworfen wurde. Konventionelle Bauformen schienen zu unpassend - zu langweilig. Es musste etwas Eigenes - etwas Fremdes sein. Ein leichter und frei schwebender Baukörper - losgelöst vom Haupthaus. Wie ein „Parasit“ würde er lediglich seinen Lebenssaft - Strom und Wasser - von seinem Wirt abzapfen. Durch die rundum von Aussenluft umschlossene Gebäudehülle war die Dämmung des Baukörpers ein weiteres großes Thema. Sowohl für die kalte als auch für die warme Jahreszeit sollte das Objekt möglichst energieeffizient funktionieren. Für die Konstruktion des Baukörpers wurden Leimholzbinder mit einer Stärke von 26 cm - nicht zuletzt auch wegen seiner 3-dimensionalen Form- und Bearbeitbarkeit - gewählt. Die Dämmung der Zwischenräume erfolgte rundum in voller Tiefe mit Holz-Weichfaser-Dämmung. Dazu erhielt die, einem Schiffsbau ähnelnde Konstruktion eine Verkleidung aus in Wasser getränkten Streifen aus 3-Schichtholz in unterschiedlichen Dimensionen, welche anschließend mit einer mehrschichtigen, diffusionsoffenen Dachhaut aus Flüssigkunststoff versehen wurde. Im Innenraum kam ein Lehmputz auf Ziegeldrahtgewebe zum Einsatz, der das Raumklima sowohl in Bezug auf Feuchtigkeit als auch temperaturausgleichend positiv beeinflusst. Zusätzlich ist Lehm für die 3-dimensionalen Rundung des Baukörpers die ideale Wahl, da Lehm durch seine lange Abbindezeit länger modellier- bzw. formbar bleibt. Für den Fußboden kam folgender Aufbau zum Einsatz: Zunächst wurden auf die Leimholzbinder 2 x 15 mm OSB-Platten verlegt. Darauf folgt eine 3 cm Holzfaser-Trittschalldämmung, auf welcher die Fußbodenheizung in Trockenbauweise (T4-Systems) montiert wurde. Schließlich bildet - nach einer Ausgleichsspachtelung - ein vollflächig verlegtes Parkett den Abschluss. Sämtliche Fenster und Türen sind 3-fach verglast, um auch hier möglichst energieeffizient zu sein. Über einen Versorgungsschacht zum Haupthaus wird der Baukörper mit Wasser und Strom versorgt. Die Wärmeversorgung hingegen erfolgt autark mittels einer reversiblen Luft-Wärmepumpe, welche das Raumklima im Sommer durch eine Umschaltung auf Kühlung zusätzlich positiv beeinflusst. Hierdurch und durch die temperaturausgleichende Wirkung des eingesetzten Lehmputzes, ist ein Einsatz von Energie-fressenden Klimageräten selbst in sehr heißen Monaten nicht notwendig.

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