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All-Stars-Award geht an Herzog & de Meuron

Der erste Preisträger beim Badischen Architektur Preis 2026 steht fest: Der All-Stars-Award
geht in diesem Jahr nach Basel und würdigt die herausragende Arbeit der beiden Schweizer
Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron, die nicht nur spektakuläre Großprojekte
wie die Allianz Arena in München, die Elbphilharmonie in Hamburg oder die Roche-Türme in
Basel realisierten, sondern gern auch kleinere, aber deswegen nicht weniger außergewöhnliche
Projekte wie das VitraHaus in Weil am Rhein umsetzten.


Die Gründer von Herzog & de Meuron (H&dM) aus Basel folgen damit auf den Amerikaner
Richard Meier (Burda-Museum, Baden-Baden), den Japaner Takao Ando (Weisenburger-
Zentrale, Karlsruhe) und den französischen Designer Philippe Starck (Duravit-Headquarter,
Hornberg). Alle vier haben als Weltstars der Design- und Architekturszene auch im ansonsten
eher ländlich-kleinstädtisch geprägten Baden ihre Spuren hinterlassen und werten die
Region damit architektonisch auf. „Das sind Leuchttürme, die Architekten wie Bauherren inspirieren“,
sagt Jürgen Grossmann, auf dessen Initiative der Badische Architekturpreis und
die besonders prominente All-Stars-Kategorie zurückgeht.


Das Büro Herzog & de Meuron wurde 1978 gegründet und wird von den beiden Founding
Partners, zusammen mit Partnern und CEO Wim Walschap geleitet. Mit mehr als 500 Mitarbeitern
in aktuell sieben internationalen Büros gilt es als eines der rennomiertesten und bekanntesten
Architekturbüros weltweit – und das mit einer in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlichen
Philosophie. Denn H&dM ist nicht auf einen bestimmten Stil oder eine architektonische
Handschrift festgelegt, sondern erfindet sich seit seit fast 50 Jahren immer wieder neu.

No Style als Statement: damit schaffen es die Schweizer immer wieder, sich ganz auf die spezifische
Aufgabe und den Standort eines neuen Projekts einzulassen. Mal entsteht dabei –
wie mit dem Schweizer Innovationspark Hortus in Allschweil – ein ultranachhaltiges Gebäude
mit einer nach wenigen Jahren schon positiven Klimabilanz, bei dem der lehmhaltige
Aushub der Baugrube zu Deckenelementen verarbeitet wird und das Bauholz aus der
unmmittelbaren Nachbarschaft kommt – dann wieder baut man in Paris eine Pyramide mit
dem Potenzial, das Stadtbild so sehr zu prägen, wie es einst Eiffel mit seinem Turm gelang.
Was bei Herzog & de Meuron keine große Rolle spielt sind vordergründige finanzielle Interessen.
Zum einen sind H&dM eines der wenigen ganz großen Büros, die sich auch nach fast
50 Jahren nur auf Architektur konzentieren – zum anderen bauen die Schweizer eben nach
wie vor kleine wie große Leuchtturmprojekte. Mal entsteht so eine neue Heimat für eine
kleine aber feine Kunstsammlung in München oder Philadelphia – und dann eine Autobahnkirche
wie in Andeer, deren Wow-Effekt sich erst dem vollständig erschließt, der die unterirdischen
Räume erkundet.

Ein anderes Meisterwerk findet sich im badischen Weil am Rhein auf dem Vitra-Campus und
damit quasi vor der Haustür der Basler Architekten. Für den Designmöbelhersteller Vitra und
die Familie Fehlbaum haben Herzog & de Meuron das VitraHaus als Flagshipstore. Die zwölf
einzelnen Baukörper – gleichsam das klassische „Urhaus“ mit Satteldach als Grundmodell –
wirken wie wahllos aufeinandergestapelt, bilden so aber auf fünf Ebenen ein Gesamtkunstwerk,
das eben nicht nur als Ausstellungsfläche für Vitras Produkte dient, sondern Designfreunde
aus der ganzen Welt begeistert. Die Treppenhäuser mit ihren organischen Formen,
die Blickachsen und Sichtbeziehungen, die Materialien und das ausgeklügelte, teilweise
labyrinthische Raumprogramm: Das VitraHaus ist Atelier und Attraktion, Statement und
Skulptur. Die einzelnen Baukörper kragen dafür bis zu 15 Meter aus. Fast alle diese Baukörper
sind an den Stirnseiten vollständig verglast, die Bodenplatten der einzelnen Körper
schneiden jeweils in den Dachbereich der darunter befindlichen Ebene ein.

„Jacques Herzog und Pierre de Meuron stehen nicht einfach nur für gute Architktur – sie inspirieren
den ganzen Berufsstand mit der Qualität ihrer Arbeit, der Freude an neuen Ideen
und Verfahren und ihrer intellektuellen Tiefe“, sagt Wolfgang Riehle, der Vorsitzende der
Expertenjury des Badischen Architekturpreises. „Ich finde es zudem bemerkenswert, dass
sich beide ungeachtet ihres weltweiten Ruhms immer wieder auch in Forschung und Lehre
engagieren.“ Das ist ein Thema, für das sich auch Preisstifter Jürgen Grossmann engagiert,
der für den Badischen Architekturpreis einen Young Talent Award ausgeschrieben hat. Offen
für Studierende und junge Architekten unter 35 gingen für diese Kategorie in den vergangenen
Jahren immer besonders viele Bewerbungen ein.